Krankenhaus Heinsberg stellt stationäre Gynäkologie und Geburtshilfe zum 30. September 2026 ein – Alternativmodelle werden weiter geprüft

Die Gesellschafterversammlung des „Städtischen Krankenhauses Heinsberg“ hat in ihrer gestrigen Sitzung nach intensiver Beratung beschlossen, die stationäre Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhausstandort Heinsberg zum 30. September 2026 einzustellen. Der Entscheidung war eine umfassende Prüfung der medizinischen, strukturellen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vorausgegangen.

Hintergründe des Beschlusses

Ziel dieser Entscheidung ist vor allem, den Krankenhausstandort Heinsberg mit seinen rund 650 Arbeitsplätzen nachhaltig zu sichern. „Die Sicherung der Arbeitsplätze hat für uns oberste Priorität. Alle Beteiligten haben sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Deshalb haben wir auch verschiedene Alternativ-Modelle intensiv prüfen lassen bzw. verfolgen sie noch weiter. Aber auch unser Krankenhaus kommt an den Vorgaben der Krankenhausreform und Krankenhausplanung nicht vorbei. Vor diesem Hintergrund ist eine Neuausrichtung alternativlos“, sagte Anke Thelen, Geschäftsführerin des Heinsberger Krankenhaus nach dem Beschluss.

Im Zuge der landesweiten Krankenhausplanung und vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Rahmenbedingungen werden einzelne Leistungsbereiche des Hauses neu geordnet, gestärkt oder weiterentwickelt.

Neben einem strukturell bedingten jährlichen Defizit im siebenstelligen Bereich kommen aufgrund neuer bundesgesetzlicher Rahmenbedingungen auch auf das Krankenhaus Heinsberg ab 2027 zusätzliche Belastungen in ähnlicher Höhe hinzu. Diesen wirtschaftlichen Druck können auf Dauer weder bis 2027 zugesagte Fördermittel für die Geburtshilfe noch weitere Ausgleichszahlungen der Stadt in Millionenhöhe auffangen.

Die stationäre geburtshilfliche Versorgung im Kreis Heinsberg bleibt auch über den 30.09.2026 hinaus sichergestellt. Das Hermann-Josef-Krankenhaus Erkelenz hat erklärt, über ausreichende Kapazitäten zur Aufnahme zusätzlicher Geburten zu verfügen.

Bis zum 30.09.2026 werden die Bereiche Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie die ebenfalls schließende Abteilung Gefäßchirurgie ihre Leistungen aufrechterhalten und den Patientinnen und Patienten in gewohntem Leistungsumfang zur Verfügung stehen.

Lösungen für Personal

Mitarbeitende auf den beiden betroffenen Stationen und der gynäkologischen Ambulanz sind von den Beschlüssen nicht direkt betroffen, denn für sie gibt es Einsatzmöglichkeiten in anderen Fachabteilungen des Krankenhauses Heinsberg. Mit den Fachärztinnen und Fachärzten werden sozialverträgliche Lösungen, Perspektiven innerhalb regionaler Versorgungsstrukturen sowie faire Übergänge besprochen.

Alternativ-Modelle weiter in der Prüfung

Die Gesellschafterversammlung verständigte sich zudem darauf, mögliche Alternativmodelle für eine weiterhin möglichst wohnortnahe Versorgung von Schwangeren und Familien weiterzuverfolgen. Dazu gehört ein abgestimmter Austausch zwischen den Heinsberger Hebammen und dem Krankenhaus Erkelenz über vorstellbare Kooperationen. Darüber hinaus soll die Möglichkeit ambulanter Angebote geprüft werden. Bei der Option eines Geburtshaus-Modells für die Hebammen in Heinsberg signalisierte die Stadt in der Sitzung noch einmal ausdrücklich Bereitschaft, diese Variante auch finanziell zu unterstützen.

Zukunftskonzept und Spezialisierung

Bereits im März hatte die Gesellschafterversammlung entschieden, den internistischen Schwerpunkt im Krankenhaus Heinsberg weiterzuentwickeln. Zudem sollen beispielsweise bestehende Angebote in der Palliativmedizin ausgeweitet werden. Mit diesem Ausbau reagiert das Krankenhaus auch auf die demografische Entwicklung sowie auf einen steigenden Bedarf an internistischer und spezialisierter Versorgung. Außerdem werden das bestehende Diabeteszentrum, das angiologische Leistungsangebot sowie der Leistungsbereich Gastroenterologie gezielt gestärkt. Ein wesentlicher Baustein dieser Neuausrichtung ist zudem der geplante Aufbau einer Geriatrie.

„Unser vorrangiges Ziel ist es, unser Krankenhaus bei allem wirtschaftlichen Druck sowie allen Vorgaben durch Krankenhausreform und Krankenhausplanung zu stärken! Mit den nun vom Gesellschafter gefällten Entscheidungen stellen wir die Weichen für die Zukunft, denn die beschlossenen Umstrukturierungen sichern den Krankenhaus-Standort Heinsberg nachhaltig. Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet das, dass damit eine verlässliche wie qualitativ hochwertige medizinische Versorgung gewährleistet wird“, so Bürgermeister Kai Louis.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann begrüßt und unterstützt in einem Schreiben an die Stadt Heinsberg das Vorgehen von Krankenhaus und Stadt beim Erstellen eines trägerübergreifenden Medizinkonzeptes. Man sei im „engen Austausch bzgl. des trägerübergreifenden Medizinkonzeptes für die stationäre Versorgung im Kreis Heinsberg mit der Abteilung Krankenhausversorgung“. Und weiter: „Auch das Städt. Krankenhaus Heinsberg ist der Maßgabe nachgekommen, sich trägerübergreifend abzustimmen und hat gemeinsam mit den anderen Krankenhäusern im Kreis Heinsberg einen Entwurf eines trägerübergreifenden Konzentrationskonzeptes erstellt, welches im Sinne der Ziele des Krankenhausplans Nordrhein-Westfalen 2022 ist. Dieses Vorgehen begrüße ich sehr und wird von meiner Seite unterstützt.“