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Für pflegende Angehörige: kostenlose Beratung und Schulung

Krankenhaus Heinsberg unterstützt mit neuem Angebot

Ein Schlaganfall, ein Herzinfarkt, ein schwerer Sturz und von einem auf den anderen Tag kann alles ganz anders sein. Plötzlich sind bislang selbstständige Menschen auf Pflege durch andere angewiesen. Häufig entscheiden sich Familienmitglieder, die Pflege – alleine oder zusammen mit einem Pflegedienst – im häuslichen Umfeld zu übernehmen. Doch das stellt sämtliche Beteiligten vor neue Herausforderungen. Um alle bestmöglich auf die neuen Aufgaben vorzubereiten, bietet das Krankenhaus Heinsberg mit zwei geschulten Pflegeberaterinnen schon während des Klinikaufenthalts eine kostenlose individuelle Beratung und Unterstützung an.

Beratung und Training während des Klinikaufenthalts und danach

Seit September stehen mit Helga Bossems und Hildegard Jaite ausgebildete Pflegetrainerinnen zur Verfügung, die auf die speziellen Bedürfnisse und Problemlagen von zukünftig pflegenden Angehörigen geschult wurden. „Wir erleben täglich, dass gerade Angehörige von alten, mehrfach erkrankten oder demenziell veränderten Menschen plötzlich und unvorbereitet vor der Situation stehen, ein Familienmitglied in der häuslichen Umgebung pflegen zu müssen“, so Josef Jöris weiter. „Unsere Pflegetrainerinnen wollen in genau dieser unsicheren Situation die Angehörigen so schulen, dass sie bereits in der Klinik am Krankenbett auf pflegerische Tätigkeiten vorbereitet werden. Wir üben mit den Angehörigen z.B. ein, welche Pflegetechniken ihnen und ihren Angehörigen helfen oder welche vorbeugenden Maßnahmen zur Sturz- oder Dekubitusprophylaxe sie in den eigenen vier Wänden einsetzen können. Außerdem ist es wichtig, ein Netzwerk für die Pflegenden aufzubauen und sie mit Menschen, die sich in ähnlichen Situationen befinden, in Kontakt zu bringen. Hierfür haben wir ein Angehörigen-Café eingerichtet, das wir jeden ersten Mittwoch im Monat in unserem Haus veranstalten“, so Jöris weiter. Von 15.00 bis 17.00 Uhr sind pflegende Angehörige eingeladen, sich in einem lockeren Gesprächskreis im Tagungsraum der Cafeteria auszutauschen. Eine Anmeldung unter der Rufnummer 02452 188-658 wird erbeten.

Auch nach dem Klinikkaufenthalt bleiben die Pflegetrainerinnen wichtige Ansprechpartnerinnen. „Im häuslichen Umfeld zeigen wir ganz konkret auf, worauf besonders achtgegeben werden sollte: hier einen Teppich wegräumen, der Stolperfalle werden könnte, dort einen zusätzlichen Haltegriff installieren“, berichtet Helga Bossems, examinierte Fachkrankenschwester für Intensiv- und Anästhesiepflege sowie Pflegeberaterin. „Hinzu kommen pflegerische Ratschläge und Hinweise, wie z. B. der Ablauf beim Baden sein sollte oder wie weitere Gehversuche geübt werden können – auch, an wen man sich wenden kann, um weitere Hilfen zu bekommen“, ergänzt Krankenschwester Hildegard Jaite. „So versuchen wir, allen Beteiligten Sicherheit in dieser noch ungewohnten Situation zu geben.“

Modellprojekt ‚Familiale Pflege‘

Die ‚Familiale Pflege‘ ist ein Modellprojekt der Universität Bielefeld in Kooperation mit der AOK Rheinland/Hamburg und der AOK NORDWEST. „Ein wichtiges Ziel ist es, die häusliche Pflege von Anfang an zu stabilisieren und die Angehörigen auf die neuen Aufgaben vorzubereiten. Die so genannten Drehtüreffekte können häufig dadurch vermieden werden, dass die individuelle Pflegekompetenz der Angehörigen gestärkt wird“, so Alexandra Hansla vom Fachbereich Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld. „Die Pflegetrainerinnen sind in diesem Modell eine wichtige Brücke zwischen Krankenhaus und dem Zuhause sowie Initiatorinnen von Lernprozessen.“

Herausragende Bilanz nach den ersten Monaten

Nach dem Start des Projekts konnten die Pflegetrainerinnen in den ersten vier Monaten bereits 313 Angehörigen helfen. „Das ist wirklich sensationell“, zeigt sich Alexandra Hansla sichtlich begeistert. „Hier zeigt sich, dass im Krankenhaus Heinsberg das Zusammenspiel zwischen Geschäftsleitung, Pflegedienstleitung, Trainerinnen, Pflege- und Sozialdienst perfekt funktioniert.“ Die Resonanz seitens der Angehörigen sei überwiegend sehr positiv, berichten Helga Bossems und Hildegard Jaite. Auch AOK-Regionaldirektor Heinz Frohn unterstreicht die Wichtigkeit des Projekts für die Pflegekasse. „Für uns ist es ein wichtiger Baustein angesichts kontinuierlich steigender Zahlen von Pflegefällen. Damit nutzen wir den kurzen Weg zum Patienten und vermitteln ihnen und ihren Angehörigen: Wir lassen Sie mit der neuen Situation nicht allein.“

Nächster dreitägiger Pflegekurs im Mai

Der nächste Pflegekurs, der von den Pflegetrainerinnen geleitet wird, findet am 15., 16. und 17. Mai zwischen 09.00 und 12.30 Uhr statt. Pflegende Angehörige und Interessierte sind herzlich eingeladen, sich für den Kurs anzumelden unter 02452 188-658.

Kosten übernimmt die Pflegekasse

Die Angebote der „Familialen Pflege“ sind kostenlos. Sie werden unabhängig von der Kassenzugehörigkeit von den Pflegekassen der AOK Rheinland/Hamburg und der AOK NORDWEST übernommen. Einzige Voraussetzung ist, dass der zu Pflegende eine Pflegestufe hat oder diese beantragt wurde.

„Mit der ‚Familialen Pflege‘ können wir als Krankenhaus entscheidend dazu beitragen, die Versorgung der pflegebedürftigen Menschen durch ihre Familien zu verbessern wie auch die pflegenden Ehe- oder Lebenspartner sowie pflegenden Angehörigen in ihrer Verantwortung zu unterstützen. Daher haben wir uns für die Teilnahme am Modellprojekt „Familiale Pflege“ entschieden“, erklärt Geschäftsführer Heinz-Gerd Schröders.

Das Angebot der Familien Pflege ist mittlerweile in alle Krankenhäuser des Kreises Heinsberg integriert – ein großer Erfolg für das Projekt.

 

Foto: Fahrbereit zum Einsatz: Pflegetrainerinnen Helga Bossems (links) und Hildegard Jaite (4.v.l.), unterstützt von Ulrike Reemers (AOK, Fachserviceleiterin), Alexandra Hansla (Universität Bielefeld), Heinz Frohn (AOK, Regionaldirektor), Hans-Josef Jöris (Pflegedienstleiter), Heinz-Gerd Schröders (Geschäftsführer)