Geschichte

Die Geschichte eines Hauses zur Versorgung von Kranken innerhalb des Stadtgebietes von Heinsberg geht zurück bis in das Jahr 1861.

Im Bereich an der Ecke der heutigen Liecker Straße/Stiftsstraße wurde am 21.11.1861 das St. Josef-Stift als neues Armenhaus zusammen mit der dazu gehörigen Kapelle eröffnet bzw. kirchlicherseits eingeweiht. Das Haus erhielt seinen Namen „St. Josef-Stift“ nach seinem großen Förderer, Bürgermeister Hermann-Josef Weber, der von 1857 bis 1866 die Geschicke der Stadt Heinsberg leitete. Das Stift ersetzte an dieser Stelle das alte Gast- und Armenhaus der Stadt, im Volksmund „Gastes“ genannt. Mit der Pflege und Betreuung der Bedürftigen waren seinerzeit die Ordensschwestern vom hl. Karl Borromäus aus Trier betraut.

Ab 1891 wurde das St. Josef-Stift dann vornehmlich mit kranken Menschen belegt. Im selben Jahr lösten die Vinzentinerinnen aus dem Mutterhaus Köln-Nippes die Trierer Borromäerinnen bei der pflegerischen Betreuung der Patientinnen und Patienten ab. Im Jahre 1925 nahm dann der erste Arzt, ein sog. Vollchirurg, seine ausschließliche Tätigkeit im Krankenhaus Heinsberg (St. Josefs-Stift) auf. Ebenfalls im Jahre 1925 wurde vom Rat der Stadt Heinsberg der Neubau eines Krankenhauses beschlossen, da die Räumlichkeiten im Stift offenbar nicht mehr dem Bedarf entsprachen. Am 19. März 1929 wurde dann das neue, für damalige Verhältnisse bereits große Heinsberger Krankenhaus eingeweiht. Der Neubau steht in unmittelbarer, rückwärtiger Nachbarschaft des alten St. Josef-Stiftes, das fortan den Ordensschwestern als Klostergebäude bzw. danach den Pflegeschwestern des Krankenhauses als Wohnheim diente. Im Zuge der Stadtsanierung wurde das Stift 1981 abgerissen.

Der Krankenhausbau aus dem Jahre 1929, der bis heute das Kernstück des Städtischen Krankenhauses bildet, wurde danach stetig erweitert. Bei seiner Entwicklung musste das Haus allerdings einen eklatanten Rückschlag hinnehmen. Bei den schweren Bombenangriffen des Zweiten Weltkrieges auf die Stadt Heinsberg am 16.11.1944 wurde auch das Krankenhaus erheblich getroffen und zu mehr als zwei Dritteln zerstört. Die Einrichtungsgegenstände wurden restlos vernichtet. Das beschämenste Kapitel der Krankenhausgeschichte geht auf die Zeit der Nazidiktatur zurück. Zwischen 1934 und 1944 wurden mehrere hundert Menschen – das waren vor allem körperlich und geistig beeinträchtigte Männer, Frauen und Kinder – im Heinsberger Krankenhaus zwangssterilisiert. Unter dem Deckmantel der NS-Rassenhygiene-Gesetze wurden diese Gräueltaten vom seinerzeit verantwortlichen Chefarzt durchgeführt. Das Gedenken an die Opfer soll künftige Generationen zur Wachsamkeit gegenüber rassistischen Ideologien mahnen. Sofort nach Kriegsende wurde das Hauptgebäude auf seinen Grundmauern wieder aufgebaut bzw. instand gesetzt; im Jahre 1953 erfolgte die Erweiterung des Nordflügels und der Bau eines Wirtschaftsgebäudes. Schließlich wurde 1956 der Westflügel angebaut.

Vinzentinerin mit typischer Haube im Krankenhausgarten um 1930

Vinzentinerin mit typischer Haube im Krankenhausgarten um 1930

Nach 67-jähriger, segensreicher Tätigkeit nahmen dann schließlich die Schwestern des Ordens der Kölner Vinzentinerinnen im Jahre 1958 Abschied vom Heinsberger Krankenhaus. Ihnen folgten in der verantwortungsvollen Aufgabe der Krankenhausleitung und Patientenbetreuung die Ordensfrauen von der Göttlichen Vorsehung aus Mainz. Auf Grund erheblicher Nachwuchsprobleme wurden die Mainzer Schwestern schließlich Anfang 1969 vom Mutterhaus zurückgezogen. Seit dem Jahr 1981 wird das Städtische Krankenhaus als GmbH geführt. Einzige Gesellschafterin ist die Stadt Heinsberg.

Ab Beginn der 90er Jahre wurden dann eine ganze Reihe umfangreicher Um- und Erweiterungsbauten realisiert: Neubau der chirurgischen Ambulanz, des OP Traktes, der Zentralsterilisation und des Eingangsbereiches (1991), Sanierung der Röntgenabteilung (1994), Anbau des Bettenhauses Nord und der Verwaltung (1994), Neubau Westflügel mit Funktionsdiagnostik Innere Medizin, Physikalische Therapie, Intensivstation und Kreißsälen (2003), Ausbau einer Pflegestation und Anbau von vier Sanitärtürmen (2005), Cafeteria (2005) und Ausbau einer Wöchnerinnen- und Neugeborenenpflegestation (2006). Nach Abschluss dieser vielfältigen Baumaßnahmen präsentiert sich das Städtische Krankenhaus als ein hochmodernes Medizin-Zentrum, das den Anforderungen des medizinischen Fortschrittes im vollem Umfange gerecht wird.
Im Jahre 2010 wurde ein Medizinisches Dienstleistungs Zentrum auf dem Krankenhausgelände eröffnet. Hier werden insgesamt neun Fachpraxen verschiedener Ausrichtung und weitere medizinische Leistungsanbieter untergebracht.

StJosefStiftAnfang der 20er Jahre waren im St. Josef-Stift nach den historischen Quellen 20 Betten für Kranke aufgestellt. Mit Einstellung eines hauptamtlichen Chefarztes im Jahre 1926 wuchs die Bettenzahl auf über 50. Schon ein Jahr später wurde eine Krankenhausbaracke mit 30 Betten zusätzlich aufgestellt. Da der Bettenbedarf aber weiterhin stetig anstieg, wurde der seinerzeitige Krankenhausneubau in Angriff genommen. Schon bald nach Inbetriebnahme des Neubaus im Jahre 1929 erhöhte sich die Gesamtbettenzahl auf über 200. Diese Anzahl wurde im Städtischen Krankenhaus Heinsberg trotz drastischen Rückgangs der durchschnittlichen Patientenverweildauer bis heute erhalten. Bis kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges stand das Krankenhaus unter der ärztlichen Leitung des chirurgischen Chefarztes. Die fortschreitende Spezialisierung auf medizinische Fachgebiete führte bereits 1948 zur Einrichtung einer Fachabteilung für Innere Medizin mit eigenem Chefarzt. Anfang der 50er Jahre wurden dann die mit Belegärzten besetzten Abteilungen Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Augenheilkunde geschaffen. Anfang der 60er Jahre wurde daneben eine eigenständige Fachabteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe eingerichtet. Heute präsentiert sich das Städtische Krankenhaus Heinsberg mit einem sehr breiten medizinischen Leistungsspektrum in den Fachabteilungen Chirurgie, Innere Medizin, Gynäkologie und Geburtshilfe, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Anästhesie. Daneben besteht ein augenärztliches Operationszentrum und interdisziplinär geführte Diabetes- und Magen-Darm-Zentren. Zusätzlich haben sich innerhalb der Fachabteilungen Behandlungsschwerpunkte herausgebildet. So hat sich die Abteilung Innere Medizin in die Schwerpunkte Angiologie, Kardiologie, Pneumologie, Gastroenterologie und Diabetologie profiliert. Die Schwerpunkte im Bereich der Abteilung Chirurgie liegen bei der Unfallchirurgie sowie der Visceral- und Gefäßchirurgie. Innerhalb der Abteilung Gynäkologie ist zudem das Brustzentrum Heinsberg entstanden. In gut 80 Jahren Krankenhausgeschichte hat sich somit im Städtischen Krankenhaus Heinsberg ein breit gefächertes Angebot an sehr qualifizierten Diagnose- und Therapiemöglichkeiten zum Wohle der Patientinnen und Patienten entwickelt.

Zeittafel

1861:
Eröffnung des St. Josef-Stifts als neues, städtisches Armenhaus mit Kapelle an der Ecke der (heutigen) Lieckerstraße/Stiftsstraße;
Betreuung durch die Ordensschwestern vom Heiligen Karl Borromäus aus Trier

1891:
Belegung des St. Josef-Stifts mit kranken Menschen;
Betreuung durch die Vinzentinerinnen aus dem Mutterhaus Köln-Nippes

1925:
Erster hauptamtlicher Arzt im St. Josef-Stift;
Beschluss des Rates der Stadt Heinsberg zum Neubau eines Krankenhauses

1929:
Einweihung des Krankenhausneubaus an der jetzigen Stelle

1944:
Erhebliche Zerstörung bei den schweren Bombenangriffen des Zweiten Weltkrieges auf die Stadt Heinsberg

1948:
Strukturierung des medizinischen Versorgungsangebotes in die Fachabteilungen für Chirurgie (mit Gynäkologie und Geburtshilfe) und Innere Medizin

1950/52:
Einrichtung der Belegabteilungen Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Augenheilkunde

1953/56:
Erweiterung des Krankenhauses um Nord- und Südflügel

1958:
Betreuung durch die Ordensfrauen von der göttlichen Vorsehung aus Mainz

1963:
Weitere Strukturierung des medizinischen Angebotes durch Eröffnung der eigenständigen Fachabteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe

1969:
Abschied der Mainzer Schwestern

1974:
Einrichtung einer Fachabteilung für Anästhesie

1981:
Gründung der Städtisches Krankenhaus GmbH;
einzige Gesellschafterin: Stadt Heinsberg

1991/2006:
Umfangreiche Um- und Erweiterungsbauten sowie Sanierungsbaumaßnahmen

1992:
Strukturierung der Abteilung Chirurgie in die Behandlungsschwerpunkte
Unfallchirurgie sowie Visceral- und Gefäßchirurgie

2003:
Brustzentrum Heinsberg

2004:
Strukturierung der Abteilung Innere Medizin in die Behandlungsschwerpunkte
Kardiologie und Pneumologie sowie Gastroenterologie und Diabetologie

2006:
Diabetes-Zentrum

2009:
Magen-Darm-Zentrum 

2010:
Weitere Spezialisierung der Abt. Innere Medizin um den Behandlungsschwerpunkt Angiologie;
Einweihung eines Medizinischen Dienstleistungs-Zentrums mit neun Fachpraxen und einer Apotheke, einem Sanitätshaus, eines ambulanten Pflegedienstes und der Geschäftsstelle einer Krankenkasse

2012:
Einweihung der Palliativstation